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KULTtexte


Monatlich veröffentlicht der Dachverband Salzburger Kulturstätten und seine Mitglieder Texte und Kommentare zu aktuellen kulturpolitischen Themen. Die KULTtexte werden über das Salzburger Fenster, Website und facebook verteilt. Die KULTtexte sind ein zentrales Medium für die Salzburger Kulturlandschaft.


Kulturfenster 07/08.2017

Die Kunst des autonomen Wohnens?

Der Traum vom Eigenheim ist auch in Salzburg, der zweitteursten Stadt Österreichs, in den Köpfen vieler tief verankert. Jedoch bleibt es in vielen Fällen erst einmal beim Traum. Eigentum in der Stadt können sich die wenigsten leisten und aufs Land ziehen, wo die Kaufpreise für Häuser oder Baugrund teilweise tatsächlich erschwinglich wären, möchte klarerweise auch nicht jede_r.

So kommt es immer wieder dazu, dass Menschen sich gezwungen sehen, sich in das ewige Abhängigkeitsverhältnis zwischen VermieterIn und MieterIn begeben zu müssen, aus dem es, wenn in vielen Fällen auch nur als Übergangslösung gedacht, nur schwer ein Entkommen gibt.

Ohne die Frage in den Raum stellen zu wollen ob der Traum vom Reihen- oder Einfamilienhaus tatsächlich ein erstrebenswerter ist, ist es in jedem Falle niemandem zu verübeln unabhängig der unergründlichen Launen von VermieterInnen in den eigenen vier Wänden wohnen und leben zu wollen.

Nicht jedes Mal darauf hoffen zu müssen, dass der/die VermieterIn sich darum kümmert, dass die Heizung noch vor dem Winter repariert wird oder dass der Boiler im abgesperrten Heizraum so eingestellt ist, dass zumindest zwei Menschen am Morgen mit warmen Wasser duschen können, ist doch durchaus ein Ziel, das es anzustreben lohnt.

Auch die unangenehme Situation VermieterInnen bei möglichen Überraschungsbesuchen an der Türe abweisen zu müssen, weil die Bude mal wieder nicht aufgeräumt ist, lässt sich durch das Nicht-Vorhandensein von VermieterInnen vermeiden.

Was bleibt bei all der Träumerei übrig? Genossenschaftswohnungen, Co-Housing oder doch komplett selbstverwaltete autonome Häuser, die noch teilweise der HausbesetzerInnenszene entstammen?

Egal welches Modell letztendlich gewählt wird um den Traum vom Eigenheim wahr werden zu lassen, läuft es doch immer auf die leidige Frage hinaus, wie das Ganze finanziert werden soll, da entsprechend den Mietpreisen die Immobilienkaufpreise in Salzburg nicht unbedingt günstig sind und das mit dem Häuser besetzen in letzter Zeit auch nicht wirklich gut funktioniert hat.

Kaum ist die erste Frage geklärt und das Geld wurde aus welchen Quellen auch immer aufgetrieben, drängt sich gleich die nächste Frage auf. Wie wird gewährleistet, dass auch für einzelne Personen die Autonomie und Selbstbestimmung im Projekt gewahrt bleibt? Ein Punkt an dem Genossenschaften regelmäßig versagen und das Leben in einst selbstverwalteten Projekten zu klassischen VermieterInnen/MieterInnen-Verhältnissen degeneriert.

Es bleibt nur zu wünschen, dass sich mehr Menschen in Salzburg -und allen anderen Städten- finden, die den Mut und die Ausdauer haben, diese Hürden zu überwinden. So muss es nicht bei dem Traum vom selbstverwalteten und autonomen Wohnen bleiben.

Die Autonome Wohnfabrik ist das erste selbstverwaltete Salzburger Hausprojekt, das als Teil des habiTAT-Syndikats ein Haus vom Immobilienspekulationsmarkt freikauft.

https://autonome-wohnfabrik.at

Letzte Änderung: 27.06.2017 17:14


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