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Presseaussendung


Monday, 25. September 2017 Verheimlichte Opfer des Salzburger Justiz-Terrors – spätes Gedenken Das Personenkomitee Stolpersteine Salzburg erinnert an 32 NS-Opfer und lädt zur Verlegung von Erinnerungssteinen
Aktuell liegen 356 dieser Stolpersteine (10 x 10 cm kubische Betonsteine mit individuellen Inschriften, welche niveaugleich auf öffentlichem Grund verlegt werden) im Stadtgebiet von Salzburg.
 
Anlässlich dieser nunmehr elften Verlegung von 32 neuen Erinnerungssteinen erlauben wir uns, Sie zum »offiziellen« Pressetermin in Anwesenheit des Künstlers Gunter Demnig einzuladen:
 
Do 28. September 2017, 9:00
Rudolfsplatz 2/Landesgericht
5020 Salzburg
 
Der Verlegeort vor dem Salzburger Landesgericht hat hohen symbolischen Charakter: hier wurden in der NS-Zeit über 100 Todesurteile gefällt, die Strafakten der NS-Sondergerichte wurden großteils vernichtet.
 
Über siebzig Jahre blieben sowohl die Opfer als auch ihre Blutrichter im Dunkeln. Die am Salzburger Landesgericht unter dem NS-Regime gefällten Todesurteile wurden zumeist in München-Stadelheim vollstreckt, wo die Personalien der Opfer und Täter allerdings in erhaltenen Dokumenten aufscheinen.
 
In einer Vollstreckungsakte liegen sogar die Liebesbriefe einer Italienerin – »Piero carissimo … tanti saluti e baci tua Marisa« (30. Juni 1944) – an ihren Pietro Pironi, einen Aktivisten der 8a Brigata Garibaldi Romagna, der mit weiteren Italienern in Salzburg mit dem Tode bestraft wurde.
Damit nicht genug: Der Berliner Volksgerichtshof verhängte in Salzburg 32-mal die Todesstrafe wegen Widerstandes: eines der Opfer, Dr. Franz Seywald, wurde vom Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler persönlich abgeurteilt. Doch wie viele Kriegsdienstverweigerer und Deserteure wurden im Salzburger Justizgebäude von Salzburger Kriegsgerichtsräten insgesamt zum Tode verurteilt?
 
Die meisten Terroropfer wurden gar nicht vor Gericht gestellt, vielmehr im Polizeigefängnis am Rudolfsplatz 3 (heute Bezirksgericht) inhaftiert (an dieser Stelle werden ebenfalls Stolpersteine verlegt) und von der Gestapo in diverse Konzentrationslager deportiert, dort ermordet: darunter Otto Weissberger aus Strobl am Wolfgangsee, ermordet in Auschwitz – für ihn und andere werden gegenüber dem Landesgericht Stolpersteine verlegt.
 
Wir würden uns freuen, eine/n VertreterIn ihrer Redaktion zu diesem Pressetermin begrüßen zu dürfen!
 
Mit besten Grüßen!
Thomas Randisek
 
Informationen:
Zu den Opfern der heurigen Verlegung:
http://www.stolpersteine-salzburg.at/de/orte_und_biographien?date_laid=0000-00-00
 
Allgemeine Fragen zu den Stolpersteinen
http://www.stolpersteine-salzburg.at/de/faqs
 
Das Personenkomitee Stolpersteine bedankt sich bei der Stadt Salzburg für die Unterstützung bei den Verlegungen!

Verlegeplan 2017:

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten betreut folgende Projekte